27. Januar 2017

Mehr als Bücher

Die Bibliotheken unseres Netzes werden hauptsächlich mit den Büchern bestückt, die wir selbst in Gemeinschaft produzieren: Erzählungen, Mythen, Legenden, Traditionen u.a. Und alle Arten von Themen, um die von den LeserInnen auf dem Land gebeten wird, auch wenn wir nicht immer die Möglichkeiten haben, diesen Bitten zu folgen, sei es wegen der Kosten oder weil bestimmte Titel oder Themen nicht gefunden werden.

Glücklicherweise können wir auf die Solidarität von Personen, Familien oder Institutionen zählen, die uns in bestimmten Zeiträumen immer wieder Bücherspenden übergeben.

Diesmal haben wir eine bedeutende Spende der Bildungseinrichtung des Maristenordens „Manuel Ramírez Barinaga” aus San Juan de Miraflores in Lima durch ihren Direktor, Bruder Juan García bekommen, dessen Büchersendung es uns erlaubt, unsere Landbibliotheken noch weiter zu bestücken.

Wir wissen um die Freude, die unsere KoordinatorInnen, BibliothekarInnen und LeserInnen verspüren, wenn sie diese Bücher bekommen, das Glück, das es für die Familien bedeutet, noch mehr Lesematerial zur Verfügung zu haben. Und wir wissen um die großherzige Solidarität, die unsere Schritte und Anstrengungen begleitet.

Brüderlich/schwesterliche Lichter



Der Arzt, Musiker und Philosoph Albert Schweitzer sagte: “Wenn du das Licht gibst, um das Leben deines Bruders zu entzünden, wird es in dir umso mehr strahlen“.
Dieses vergangene Weihnachten entfalteten 177 freiwillige Künstler, Musiker und Sänger ihr Talent in Chor und Blasorchester in London, dirigiert von Matthew Hardy, und ohne eine einzige Probe!
All dies ein Aufgebot der Sarah´s Rural Library Fund, koordiniert von Helen Heery und ihrem solidarischen Team. Danke an diese brüderlich/schwesterlichen Lichter, unsere Bibliotheken leuchten auch weiterhin. Die Bücher, welche bescheiden den Glanz der Kultur und der Erinnerung tragen, können weitergetragen werden und sich vervielfältigen.
Ein kleiner Beitrag in einer Zeit der Angriffe, der Gewalt und der Vergesslichkeit!

21. Januar 2017

Im Januar auf dem Land



Der Weg führte uns in die Provinz Chota, im Norden Cajamarcas.
Der Nebel manchmal zart, dann wieder dicht; die unterschiedlichen Grüntöne, gemischt mit Steinen und Schlamm; die sich vereinenden Saatfelder; die freundlichen und herzlichen Menschen mit ihren Hüten, Quipe (Decke zum Tragen) und Stiefeln; die lebendigen Farben, so lebendig wie die Bewohner, wie die Erde, die Bäume, der Regen, der Wind, die Pflanzen. Die ausdrucksvollen und weisen Apus (Bezeichnung für heiligen Berg), die wachenden Berge der Hoffnung...
Früh, sehr früh erreichten wir Nuevo Horizonte, im Zentrum von Cutaxi angesiedelt. Nach der traditionellen „caldo verde“ („grüne Suppe“), mit der uns don Silverio, der Bibliothekar, bewirtete, machten wir uns auf den Weg ins Gemeindezentrum zum Kongress der Rondas Campesinas (Versammlung der Bauern) der Provinz, zu dem Alfredo eingeladen worden war, um über die Identität und Würde der Campesinos zu referieren.
Der weitere Weg, die Mototaxis, die Pickups, die uns mitnahmen und die Menschen, die uns halfen, nach Masintranca zu kommen: dort die Anwesenheit der großherzigen und heiteren Dona, Bibliothekarin und Hausfrau; die schöne und lächelnde Nerly; der aufmerksame und herzliche Sergio. Diese ayllu (quechua für: genossenschaftlich organisierte Dorfgemeinde als Gemeinschaft) vereint die Koordination der unterschiedlichen Bibliotheken dieser Zone, die Teilnahme am Gemeindeprogramm zur Begleitung von Menschen mit einer Behinderung, die ländliche Bibliothek und die Beisteuerung durch natürliche Medizin an die Gemeinden, um ihre Leiden zu heilen.
Am Abend fand die Bewahrung der mündlichen Überlieferung in der Gemeinde Huayrasitana statt. Trotz des durchdringenden Regens und den schwierigen Wegen fand sich eine größere Gruppe von Bewohnern, Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche ein, um sich auszutauschen und etwas über die Unterschiede und Verhältnisse von „häufeln“ (Erde um die Pflanze herum anhäufen) zu hören, den unterschiedlichen Kartoffelarten und den vielen Arten, die nicht mehr angebaut werden; das Nachdenken darüber, was heute geschieht, was die Informationsmedien zeigen, die die Bauern von ihren Höfen, ihren Traditionen, ihrer Zufriedenheit wegreißen.
Am nächsten Morgen machten wir uns, geführt von Sergio, auf den Weg nach Nuevo Oriente. Dort trafen wir die Frau und die Tochter von Oscar Burga, die Familie, die die Bibliothek unter ihrem Dach beherbergt. Für Lucila ist die Bedeutung der Bibliothek in ihren Leben, außer dem Nutzen für das Lernen ihrer Kinder, dass die Menschen zu Besuch kommen...
Nach dem Rückweg durch das kalte und gleichzeitig warme Gebiet Masintrancas machten wir uns auf den Heimweg nach Cajamarca. Erneut sprachen die Apus sich aus: der Regen, das Grün, die Pflanzen, die Menschen, die Menschen aus Cajamarca.
Unendlichen Dank!
Nathalia Quintero

Herzlich Willkommen Nathalia

Seit Anfang Januar ist Nathalia Quintero Castro bei uns, Lehrerin der Interamerikanischen Schule für Bibliothekslehre der Universität in Antioquia, Kolumbien.
Die Versammlung unseres Netzes nahm ihre Bewerbung an, ihre Doktorarbeit für die autonome Universität in Barcelona, Spanien über unser Netz zu schreiben.
Sie ist nun als Freiwillige Teil unserer Organisation und somit Mitglied der Gemeinschaft.
Ihr angenehmes und unternehmungslustiges Auftreten belebt und bestärkt uns.
Die Ausbildung und Erfahrung, die Nathalia im bibliographischen und lehrenden Bereich hat, wird uns eine große Hilfe sein. Und die Doktorarbeit, die sie bis hin zur Erfahrung des Netzes der Landbibliotheken umzusetzen möchte, wird uns anregen, unsere Prozesse zu bestärken und gemeinsam auf den Wegen zu kämpfen, die wir gehen.
Danke und herzlich Willkommen Nathalia!

24. Dezember 2016

Danke


Verschone mich mit der Weisheit, die nicht weint,
mit der Philosophie, die nicht lacht und mit der Größe,
die sich nicht vor Kindern verneigt.
Kahlil Gibran

Mit brüderlich/schwesterlichen Umarmungen

Die Erde erzählt


Unser Freund Daniel Canosa, argentinischer Bibliothekar und Mitglied von El Orejiverde – Zeitung der indigenen Völker - , hat eine Anmerkung erstellt zum Vortrag unseres Kollegen Alfredo Mires Ortiz, gegeben in Medellín anlässlich der Herausgabe des städtischen Lehrplans des Lesens, Schreibens und Sprechens 2016 – 2020:
http://www.elorejiverde.com/el-don-de-la-palabra/2129-lo-que-la-tierra-cuenta

Über den Link kann man auch zum vollständigen Vortragstext gelangen.

Danke Daniel, für das Begleiten dieser Schritte mit  solcher Großherzigkeit und Innigkeit.

Gemeinschaft und Territorium

Während der Vorbereitung der Versammlung des Netzes hatten wir das Treffen der Enzyklopädie Campesina, ein Treffen, auf dem das Koordinatoren-Team (Gemeindemitglieder, LehrerInnen, Studierende, alles Ehrenamtliche) die Bewahrungen, auf dem Land durchgeführt, präsentiert, gemäß der Themen, die wir gemeinsam entschieden haben zu erforschen. Nun sind wir bereits beinahe am Abschluss der Sammlung der eigenen Worte und ihrer Bedeutungen angelangt, die so viele Jahr von uns getragen wurde. Und wir gehen das Thema der Gemeinschaft und Territorium an in dem Drang, unsere eigenen Wurzeln begrifflich wieder kennenzulernen in Hinblick auf diese bedeutsamen Themen.

Uns bleibt immer noch viel Weg zu gehen!

Wir gehen weiter


Mitte Dezember hatten wir unsere Generalsversammlung des Netzes, ein Höhepunkt unserer Organisation, um uns zu treffen, zu evaluieren, zu planen und den Lebensmut zu beleben, um weiter zu gehen. Neue Herausforderungen zeigten sich uns: mit dem Hintergrund des „sehr geringen Lesens“ im Land und mit einem großen Wachstum an Unverschämtheit und Korruption (vor allem innerhalb derer, die bezahlt werden, um im Dienst der Nation zu arbeiten) gehen die Gemeinden weiter auf der Suche und der Anstrengung, um nicht unterzugehen.

Viele Gemeinden in der Gegend der Provinz Celendín erbitten eine eigene Landbibliothek... Und aus Pión – einen Tag der Busreise, den anderen Tag zu Fuß – erreichte uns don Jesús Quispe, der sich dazu noch in Behandlung einer Chemotherapie befindet, animiert, die Bibliotheken in seinem Sektor wiederaufzunehmen. Einige der Teilnehmer haben ihre Aussaaten verloren und andere waren sehr betroffen von den Waldbränden in der Gegend... aber hier sind wir.

BibliothekarInnen, KoordinatorInnen, LeserInnen und sogar die Enkelin eines Bewohners nahmen teil an der Versammlung, belebt und belebend, weiter diesen Weg zu gehen.

Wie hingegeben ist dieser Wille und wie leitet uns dieses Gehen!

Cajamarca mit Schnee




In diesen Wochen reiste ich bis in den Norden, um die Kinder mit Behinderung des Gemeindeprogramms zu besuchen.
In Cajamarca haben wir in diesen Monaten eine harte Zeit erlebt mit großer Trockenheit, Waldbränden und extremem Wassermangel. Sehr viele Saaten und Samen sind verloren und viele Menschen wissen bereits nicht mehr, mit was sie ihre Töpfe und Mägen füllen sollen. Es ist eine sehr besorgniserregende Situation für uns alle.
Obwohl es nun bereits zu regnen begonnen hat, haben viele nun keine Samen mehr oder müssen neue kaufen, verschulden sich, ohne zu wissen, ob sie wirklich soviel Ernte haben, die es ihnen erlaubt, diese Schulden zurückzuzahlen.
Für meinen Teil war ich also vorbereitet, Höfe mit vertrockendem Mais und Bäume zu sehen, dazu noch von Waldbränden beschädigt, magere Tiere durch Wasser- und Grasmangel. Auch hatte ich von den Menschen auf der Hochebene gehört, dass es gehagelt hatte und es Frost gegeben hätte und ich stellte mir das Land vor, bedeckt mit Hagelkörnern oder mit dem Raureif am Morgen. Aber was ich dann in Wirklichkeit sah, war Schnee.
Ich wurde geboren und bin aufgewachsen in kalten deutschen Gebieten, das rief ein Gefühlschaos hervor. Ich spürte großes Heimweh, aber auch ein Schütteln, wenn ich mir die Menschen und ihre Tiere hier vorstelle ohne schützenden Unterstand oder Ställe, ohne schützende Kleidung, ohne sich bewegen zu können, um den Körper aufzuwärmen – da dachte ich an einige Kinder des Gemeindeprogramms -, ohne genügend Nahrung oder Feuerholz, um ein warmes Getränk zuzubereiten. Und ohne eine Regierung, die in diesen Situationen versorgt und unterstützt.
Dies wird ein Grund sein, uns mehr zu vereinen, mehr zu lernen und uns besser vorzubereiten... weil niemand weiß, was auf uns zukommt.
Rita Mocker
Verantwortliche des Gemeindeprogramms

Auf unsere Weise

Mitte November fand das jährliche Evaluations- und Planungstreffen des Gemeindeprogramms statt.
Während vieler Jahre wurde dieser Revisionsprozess von „Fachfrauen und –männern“ begleitet, vorgeschlagen vom Verband, der die Arbeit des Gemeindeprogramms unterstützt, aber seit einem Jahr liegt es wieder in unserer Hand, diese Evaluation durchzuführen.
Wir haben hart und intensiv während dieses Treffens gearbeitet, aber es war eine sehr freundschaftlich-vereinte Stimmung spürbar. Es war viel Aufrichtigkeit und Offenheit erlebbar bei der Untersuchung unserer Fehler, große Bereitwilligkeit, etwas zu verbessern und weiter zu wachsen, große Nähe, die anderen zu unterstützen, große Innigkeit, noch mehr in die Tätigkeiten mit den Kindern mit Behinderung zu geben, große Kritikalität und große Freude, unsere Fehler zu korrigieren.
Die Möglichkeit, uns gegenseitig mit unseren eigenen Augen zu betrachten, auf unsere eigene Art und Weise, öffnete uns auch die Türen für noch größere Ehrlichkeit und Authentizität. Großen Dank an alle Teilnehmer für diese wunderbare Erfahrung.

Wenn es schon nicht gelingt, dass die Einen die Anderen lieben. Warum probieren wir nicht, dass die Anderen die Einen lieben? (argentinische Comicfigur "Mafalda")