5. August 2016

Wir vermissen “Ñaupa”



Es mangelt nicht an Katzen, die über unsere Dächer streichen und die Höfe queren.
Aber ein Kater kam und blieb: er kam übers Dach, keiner weiß wie, und wir fanden ihn auf, unser Haus bereits bezogen, als wäre es sein eigenes.
Noch zart, liebevoll und zutraulich kam er, um sich dazu zu gesellen: kein Besitzer kam, um ihn zurückzufordern, und so wurde er nach wenigen Tagen auf den Namen „Ñaupa” getauft.
Er nahm schnell zu und verbrachte die Tage liegend und sich erholend, von Büro zu Büro, von Zimmer zu Zimmer, an Versammlungen teilnehmend, pünktlich zum Kaffee oder dem Essen in der Gemeinde.
Aber er las auch (zumindest ließ er uns das glauben): wir, lebend zwischen Büchern vermuten, dass er keine andere Wahl hatte.
Vor einigen Tagen ging er, um seine Runde zu drehen und kehrte nicht zurück. Wir machen uns Sorgen um ihn. Er ist Teil des Teams.
Wenn Sie ihn sehen, sagen Sie ihm bitte, dass wir ihn vermissen.

29. Juli 2016

“Das Gespenst des Labyrinths”



“Das Gespenst des Labyrinths” ist bereits in Druck, eine Sammlung von 96 Kurzgeschichten, geschrieben von unserem Kollegen Alfredo Mires.
P. Juan Bottasso, der das Vorwort des Buches schrieb, deutete an, dass diese Erzählungen geschrieben wurden wie in der orientalischen Weisheit, „mit Aphorismen, kurzen Erzählungen, unwiderlegbaren Sätzen, die überraschen und sich in die Erinnerung graben“.
Bald werden wir das Buch mit unseren Gemeinden teilen.


Das Gespenst des Labyrinths ist das Konzentrat einer jahrelangen Erfahrung und reifte im beständigen Kontakt mit einem wissenden und leidenden Volk. 
P. Juan Bottasso

Bibliotheken in San Marcos und Cajabamba




Wir besuchten die Gemeinde Chuco mit unserem lieben Kollegen Pascual Sánchez, einer unserer ältesten und geliebten Bibliothekare. Pascual erinnert sich daran, wie er gewöhnlich über 12 Stunden wanderte, um eine der Landbibliotheken in seinem Gebiet in der Gemeinde El Chorro zu besuchen, wandernd durch die Berge und Täler, seine Packtaschen tragend, gefüllt mit Büchern.
Pascual hat diese Liebe an seinen Sohn Manuel weitergegeben – der die Aufgabe des Vaters als Koordinator der Bibliotheken übernommen hat -, und an seine Enkelin Sonia, die ihre liebenswerde Erscheinung vor vier Jahren im Film Die Wolkenbibliothek über die Landbibliotheken hatte.
Unser nächster Halt war eine Gemeinde in San Isidro mit unserem Kollegen Antonio Vilchez.
Abends versammelte sich die Familie und die Gemeinde, um am All'pata Paguikun teilzunehmen, des Opfers an die Erde. Wir danken der Erde, den Bergen und den Verstorbenen mit den gesegneten Koka-Blättern, dem Zucker und dem Schnaps. Wir erinnern uns an alles, was die Erde uns gibt, mit der sie uns erhält und während diesem Opfer zeigen wir unseren Respekt und unsere Dankbarkeit. Danach bildeten wir einen Lesekreis, wechselten uns ab, Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen, um Geschichten aus unserem Buch „der Geschichtendompteur“ zu lesen.
Am nächsten Tag trafen wir uns mit einigen BibliothekarInnen, die von Antonio koordiniert werden. Don Agustín aus der Gemeinde Camish war vier Stunden zu Fuß unterwegs, um das Ziel zu erreichen. Die Bibliothekare sprachen darüber, wie sie sich gegenseitig zum Lesen anregen, tauschten sich aus und empfahlen sich Bücher, halfen sich gegenseitig als Leser auf dieselbe Weise, wie sie sich als Bauern helfen.
Auf dem Weg nach Cajabamba hielten wir an, um don Fausto Salirrosas zu besuchen, Bibliothekar der Gemeinde Huamaní. Es gibt 22 Landbibliotheken, die Antonio koordiniert. Ein Wunder an Freiwilligenarbeit.
Das Buch vereint und inspiriert, vom Gipfel des Berges bis zur Tiefe des Tales, besonders, wenn seine Seiten mit dem Wissen unserer Vorfahren gefüllt sind und den Weg für unsere Kinder erleuchten.

Schulen mit Bibliotheken in Cajabamba



 
Wir besuchten drei Schulen, die mit einer Bibliothek ausgestattet sind und welche gefüllt sind mit unseren Büchern. In der Gemeinde Tangalbamba haben alle Zugang zu der Bibliothek. Die Lehrerin Carmen Malca Bocanegra fördert die Bewahrung mit den SchülerInnen und ihren Familien, während der Lehrer Christian Wilmer Sánchez das Lesen ermöglicht und die Ausleihe der Bücher registriert.
In der Gemeinde Pingo ist der Lehrer Miguel Rodríguez Roncal für die Schulbibliothek verantwortlich und nimmt die Rolle des Leseförderers ein, angeregt und begleitet vom ganzen Lehrerkollegium der Schule. Neben verschiedenen innovativen Ideen erzählte uns Miguel von seinen Plänen, ein Lesefestival für die Eltern zu realisieren.
In den Höhen, den Fluss Crisnejas überquerend, befindet sich die Gemeinde Corralpampa mit seiner Schule, welche von der Begeisterung und inspirierenden Anwesenheit der Lehrerin Soledad Álvarez Plácido geführt wird. Die Kinder dieser Schule haben die Bewahrung auf ein neues Niveau gehoben, indem sie ihre Erzählungen auf von ihnen selbst recyceltem Papier erstellen.
Wir waren entzückt, unsere ausgelegten Bücher in Regalen zu sehen, die den Hof umgeben und die glücklichen Kinder, die sich versammelten, um zu lesen.
Aber in vielen Teilen sahen wir auch den fehlenden Willen von Seiten des Staates, das Lesen zu verbessern. Die bloße Tatsache, etwas tun zu müssen, raubt die Magie. Und hinzu kommt: wenn der Inhalt so entfernt von der Realität ist, ist es fast ein Akt der Unterdrückung zu versuchen, ihn zu fördern.
Die Kinder entfernen sich vermehrt vom Wissen, verlieren ihre Hingabe und ihren angeborenen Wunsch, zu lesen. Glücklicherweise existiert der Wille und das Vorbild dieser außergewöhnlichen LehrerInnen, welche das Lesen beflügeln.
Die Bücher der Landbibliotheken führen uns zum Wissen und zu den Wundern, welche von Generationen geformt wurden. Eine andere Form, die Kinder dazu anzuregen, sich ihren Wurzeln zuzuwenden, ist es, sich einzubringen in die Wiederentdeckung und Bewahrung ihrer uralten Tradition, um ihnen die Möglichkeit zu geben, Entdecker und Autor zu sein.